Fenster und Gebäudehülle: Teil 2

Fenster und Gebäudehülle: Eine neue Artikelserie beleuchtet ab sofort die entscheidenden Schnittstellen zwischen Fenster und Fassade.

Teil 2: Schnittstellen zwischen Fenster und Fassade

 

Text: Jakob Heinkele | Fotos: SIGA

 

Unsere neue Artikelserie befasst sich mit dem Thema Fenster und Gebäudehülle: In Teil zwei geht es um die Schnittstellen zwischen Fenster und Fassade.

Der Titel des Artikels sagt eigentlich schon alles. Die Gebäudehülle funktioniert nur zusammen mit den Fenstern und umgekehrt. Für die optimale Gestaltung einer Gebäudehülle müssen energetische, bauphysikalische, brandschutztechnische und statische Anforderungen erfüllt werden. Auch beim Fenster sind die Anforderungen an Energieeffizienz, Witterungsschutz, Sicherheit, Komfort und auch Gestaltung wichtige Kernelemente. Bei Wohnbauten ist der Anteil Fenster an der Fassade 20 bis 40 Prozent, bei Bürogebäuden auch mal bis zu 70 Prozent. Aus meiner Erfahrung sind die Fensterbauer sehr wohl in der Lage, entsprechende Fenster zu planen und herzustellen. Selbstverständlich gilt das umgekehrt auch für die Fassadenplaner und -bauer. Trotzdem gibt es aber in der Praxis immer wieder Probleme wie Feuchteprobleme, Schimmelbildung und stehendes Wasser. Diese Probleme entstehen in der Schnittstelle Fassade zu Fenster und lassen sich einfach vermeiden. Schnittstellenabstimmung heisst die Lösung.

Das Fenster als Teil der Fassade

Das Fenster ist ein hochkomplexes Bauteil der Gebäudehülle. Es verbindet Innen- und Aussenraum funktional wie gestalterisch und übernimmt gleichzeitig bauphysikalische, statische und sicherheitstechnische Aufgaben. Zusätzlich zu den Fassadenbauteilen muss das Fenster Licht und Sicht gewährleisten. In der ganzheitlichen Betrachtung der Gebäudehülle kommt dem Fenster daher eine Schlüsselrolle zu – technisch, energetisch und normativ.

Ein Bericht aus der Praxis: Luft- und winddichte Fensteranschlüsse

In der täglichen Baupraxis zeigt sich immer wieder, dass die Anforderungen der Norm SIA 331 (Fenster und Fenstertüren), insbesondere Artikel 2.1.4 «Anschlüsse an den Baukörper müssen mindestens die Anforderungen, die an das Fenster gestellt werden, erfüllen (Schallschutz, Schlagregendichtheit, Luftdurchlässigkeit, Wärmeschutz, Brandschutz, Einbruchhemmung)», zwar bekannt sind, jedoch bei den Fensteranschlüssen häufig unzureichend umgesetzt werden. Während moderne Fenster hohe Werte in Wärmeschutz, Luftdichtheit und Schlagregendichtheit erreichen, verlieren sie ihre Leistungsfähigkeit schnell, wenn die Anschlussfugen nicht sorgfältig ausgeführt werden. Genau an dieser Stelle entstehen die meisten Schäden an der Gebäudehülle.

Ein zentrales Praxisproblem ist die fehlende Systematik in der Abdichtung. Häufig wird nur ein einzelnes Band eingesetzt, ohne klare Unterscheidung zwischen «innen luftdicht» und «aussen wind- beziehungsweise schlagregen-dicht» zu definieren. Bei der Montage entstehen dann zum Beispiel Leckagen, die später zu Zugerscheinungen, erhöhtem Energieverbrauch oder gar Feuchteeintrag führen können. Besonders kritisch sind nicht vorbereitete oder ungeeignete Untergründe: staubig, feucht oder uneben, und damit schlicht nicht trag- bzw. haftfähig. Auch unverträgliche Materialien (zum Beispiel silikonhaltige Untergründe) können zu Ablösungen führen. Ein weiteres Problem ist die Reihenfolge der Gewerke. Fenster werden montiert, bevor die Leibungen fertiggestellt sind. Anschliessend wird weitergearbeitet, und frisch verklebte Bänder werden beschädigt oder überputzt, ohne dass die Funktion noch gewährleistet ist. Die Verantwortung wird dann zwischen Bauleitung, Fensterbauer, Gipser und Fassadenunternehmer oder dem Elektriker hin und hergeschoben, ein klassischer Schnittstellenkonflikt (Gewerkelücke).

Dreistufige Lösung verhindert Gewerkelücken

Die Lösung ist erstaunlich einfach: klare Rollen, klare Systeme und klare Tests. In der Praxis bewährt sich die konsequente Anwendung eines dreistufigen Prinzips: Innen heisst die Devise «luftdicht». Dies wird beispielsweise mit Dichtfolien oder pastösen Dichtstoffen erreicht. Die Mitte soll wärmedämmend sein, wobei Schafwolle unterstützen kann. Und gegen aussen soll die Anschlussfuge schlagregendicht und diffusionsoffen sein, was mithilfe von vollflächig klebenden Bändern und einer zweiten wasserführenden Ebene erreicht werden kann. Dazu gehören eine geeignete Untergrundvorbereitung, definierte Haftzonen und eine dokumentierte Abnahme inklusive Klebeproben oder punktueller Blower-Door-Zwischenmessungen. Wo diese Standards eingehalten werden, verschwinden Feuchte- und Schimmelprobleme praktisch vollständig.


Der Anschluss ist oft das «unscheinbare Detail», aber er entscheidet darüber, ob ein hochmodernes Fenster seine Leistung tatsächlich in die Gebäudehülle einbringt. Die Erfahrung zeigt: Nicht das Produkt ist das Problem, sondern die Ausführung. Wer die Schnittstellen sauber koordiniert, verhindert Schäden und schafft eine funktionierende Gebäudehülle.

Dieser Artikel erschien im Magazin Gebäudehülle. Er bildet den zweiten Teil der Fenster-Serie.